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Köln, Mülheim, Köln-Mülheim

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Das Wappen von Köln-Mülheim



In der Reihe „Wissenswertes über die Große Mülheimer Karnevals-Gesellschaft und den Kölner Stadtteil Mülheim“ hat die GMKG interessante Berichte aus den Liederheften der 1960er-Jahre ausgegraben:



Entstehung und Bedeutung des Mülheimer Wappens


Will man die Entstehung eines Wappens untersuchen, so ist es zweckmäßig, zunächst einmal die verschiedenen Arten der Entstehung von Wappen zu prüfen. Betrachtet man den ursprünglichen Begriff des Ausdrucks, so stellt man bei der sprachlichen Untersuchung fest, dass im Mittelalter mit dem Wort „w â p e n“ ursprünglich alle Waffen, später vor allem Abwehrwaffen, besonders die Schilde, bezeichnet wurden. Der Germane und besonders der Deutsche stand nun stets zu seinen Waffen in einem persönlichen Verhältnis, das so weit ging, dass man einzelnen Waffen sogar einen vertrauten Namen gab, wofür Siegfrieds Schwert Balmung beispielhaft erwähnt sein mag. Was für das Schwert der Name bedeutete, das wurde die persönliche Bebilderung oder Beschriftung für den Schild. Ursprünglich wechselte dies Bild auch beim einzelnen Schildträger von Schild zu Schild. Als aber im 12. Jahrhundert und später nicht mehr mit offenem Helm, sondern mit geschlossenem Visier gekämpft wurde, erkannte man das Gesicht des Gegners nicht mehr. Da aber der Ritter, auch ohne sein Gesicht zu zeigen, dem Gegner doch kundtun wollte, gegen wen dieser kämpfte, gab er sich durch besondere symbolische Zeichen zu erkennen. Es kam vor, dass ein Ritter nur unter diesem Zeichen, nicht unter seinem wirklichen Namen bekannt war. Das Erkennungszeichen aber wurde nun die für die Persönlichkeit des Trägers charakteristische Bemalung des Schildes. Diese Bemalung wechselte nun nicht mehr auf den einzelnen Schilden eines Schildträgers. Jeder Ritter trug auf allen seinen Schilden das gleiche für ihn geltende Persönlichkeitszeichen, das mit der Zeit dann für die ganze Familie des Ritters charakteristisch wurde und sich schließlich von Generation zu Generation vererbte. Während man zunächst den Schild in seiner Gesamtheit als „wâpen“ bezeichnete, ging nun in einem Bedeutungswandel des Ausdrucks die Bezeichnung auf einen Teil des Schildes, nämlich auf das aufgemalte Bild über. Der Ausdruck erhielt damals die Bedeutung, die bis heute noch für ihn gilt. Aus der Schildbemalung entstanden die meisten ritterlichen Wappen ältester Zeit. Diese Bemalung wurde auch häufig noch weiterentwickelt. Da der Ritter den Schild meist vor den Körper hielt, wurde das Wappen im Kampfgetümmel häufig erst in der Nähe erkennbar. Da der selbstbewusste Ritter jedem aber schon von Weitem zeigen wollte, wo er kämpfte, schmückte er die hochragende Helmspitze mit einem Federbusch, einer Helmzier, die wieder in Form und Farbe bei jedem Ritter verschieden war. Man nannte diese Helmzier das Kleinod und malte dieses Kleinod auch häufig als oberen Abschluss des Wappenbildes auf den Schild. Daher kommt es, dass Familienwappen oft einen federbuschartigen Abschluss am oberen Wappenrand tragen. Da das Wappen nun einmal charakteristisches Merkmal für eine Persönlichkeit war, hatte man nun auch ein Zeichen, das an die Stelle einer Unterschrift treten konnte, die mancher Ritter zu leisten nicht fähig war, weil er weder lesen noch schreiben konnte. Hartmann von Aue hebt rühmend einen Ritter hervor, weil er „so geleret was, daz er in den buochen laz“. Musste nun ein Ritter etwas unterschreiben, so brauchte er nicht unbedingt nur ein Kreuzchen oder deren mehrere zu zeichnen, sondern er konnte seinen persönlichen Willen durch die Beifügung eines Wappenbildes bekräftigen. Dieses Wappen wurde nun als Siegel gestaltet und fand eine neue Anwendungsart. Allmählich wurde es nun üblich, alle bedeutenderen Schriftstücke zu siegeln. Bald entstanden aber auch Siegel, die nicht aus einem Wappen entwickelt waren. Das traf vor allem für die Siegel der Gemeinwesen zu. Sie legten sich Siegel zu bzw. bekamen das Siegelrecht verliehen, und in einer bürgerlichen Nachahmung ritterlicher Gewohnheit entstanden aus derartigen Siegeln Wappen. Der Vorgang ist also genau umgekehrt wie bei der Entstehung ritterlicher Wappen und Siegel. In dem einen Falle entsteht aus dem Wappen das Siegel, im anderen aus dem Siegel das Wappen. Der letztere Vorgang ist auch für das Mülheimer Stadtwappen nachweisbar. Als Herzog Wilhelm IV. von Berg am 22. Juni 1575 der Freiheit Mülheim ein Siegel verlieh, begründete er das damit, dass „burgermeister, scheffen und geschworen unser freiheit Mülheim biß anher mit keinem eignen sigel, wie sich doch vermoege unser rechtsordnung gebüret, versehen.“ Das von dem Herzog der Freiheit Mülheim verliehene Siegel wird in der Urkunde besonders beschrieben. So sollte ein „Mülheimer Schiff“ mit einem Bootshaken vorn im Schiff zeigen. Die heute noch erhaltenen ältesten Siegelabdrucke zeigen aber einen Nachen und keines der als „Mülheimer Schnecken“ bekannten Mülheimer Schiffe, durch die Mülheim am ganzen Mittel- und Niederrhein bekannt wurde. Der Löwe am Ruder ist auch kein „klimmender“, sondern ein auf den Hinterbeinen stehender Löwe. Wahrscheinlich wurde aber zu der Zeit des Herzogs das Aufrichten des Löwen als „Klimmen“ bezeichnet. Das Siegel zeigt dann an seinem oberen Rand noch drei mehrzinnige Mauertürme, die in der Verleihungsurkunde nicht erwähnt sind, die aber hier in der Art einer Helmzier der Abschluss am oberen Siegelrand bleiben. Von der Verleihung des Siegels an die Freiheit Mülheim bis zur Entstehung des Mülheimer Wappens vergeht noch eine geraume Zeit. Es liegen kaum Berichte über das Vorhandensein eines Mülheimer Wappens aus dem 18. Jahrhundert vor. Im alten Rathaus an der Freiheitstraße war ein Stein eingelassen, der das Wappen zeigte. Erst im vorigen Jahrhundert tauchte das Mülheimer Siegel in Wappenform stärker auf. Betrachtet man die Dreifarbigkeit des Mülheimer Wappens und der Mülheimer Fahne, so liegt der Schluss nahe, dass die Zusammenstellung der Farben in Wappen und Fahne erst nach der Französischen Revolution erfolgt ist. Der um die Darstellung der Mülheimer Geschichte so sehr verdiente Rektor Bendel irrt wahrscheinlich in der Auffassung, wenn er sagt, dass die bergischen Landesfarben schwarz-weiß-blau ursprünglich auch als Farben der Freiheit Mülheim galten. An einer anderen Stelle erwähnt er Rot als zu den der Trikolore der Französischen Revolution fast unerkannt. Fahnen waren bis zu dieser Zeit meistens ein- oder zweifarbig. Auch die dreifarbig gestreifte heutige deutsche Reichsfahne entstand erst als Idee in der Zeit der Burschenschaftsgründung, und zwar aus der alten Kaiserstandarte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Sie zeigte den Reichsadler mit rotem Schnabel und roten Krallen auf goldenem Grund. Rektor Bendel erwähnt selber nun auch noch, dass die Stadtverwaltung in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg im Einvernehmen mit dem Archivdirektor Ilgen aus Düsseldorf in der Reihenfolge rot-weiß-blau feststellen ließ und damit den willkürlichen Wirrwarr in dieser Frage beendete. Es ist grundsätzlich wohl anzunehmen, dass auch die Dreifarbigkeit der Mülheimer Fahne nicht aus einer Zeit vor der Französischen Revolution stammt. Was die Deutung dieser Farben betrifft, so kann man wohl feststellen, dass damit die Verbundenheit zwischen Wittelsbach und Berg ausgedrückt wird. Das Herzogtum Berg kam 1614 durch den Vertrag von Xanten, der den Jülich-Bergischen Erbfolgestreit abschloss, an Pfalz-Neuburg, auch Oberpfalz genannt, wo die Wittelsbacher regierten. Als dann im Jahre 1685 die Oberpfalz an Bayern kam, erhielten die Wittelsbacher dieser oberpfälzischen Linie die Kurpfalz sowie die bergischen Besitzungen. Das Herzogtum Berg und damit Mülheim stand also seit 1614 bis zur Übernahme als Großherzogtum durch Napoleons Schwager Murat im Jahre 1806 unter wittelsbachischer Herrschaft. Die wittelsbachischen weiß-blauen Farben sind in der Mülheimer Fahne mit dem Rot der Herzöge von Berg zusammengeschlossen. Auch das Mülheimer Wappen wurde erst auf ausdrücklichen Antrag der damaligen Mülheimer Stadtverwaltung vor dem Ersten Weltkrieg durch das Königlich Preußische Heroldsamt nach heraldischen Grundsätzen festgelegt. Daraus ist zu schließen, dass zwar ein Wappen bekannt, aber nicht amtlich anerkannt war. Mit dem Wappenvorschlag dieses Heroldsamtes war aber die Stadtverwaltung nicht einverstanden, und es entstand schließlich nach dem Entwurf des sachverständigen Professors Döpler und im Einvernehmen mit dem schon erwähnten Archivdirektor Ilgen das Wappen Mülheims in seiner heutigen Form. Mag das Mülheimer Wappen auch in der Form, die wir heute führen, ein Ergebnis unseres Jahrhunderts sein, so ist doch seine Symbolik älter und andererseits auch zukunftsmahnend. Mit starker Hand steht der Mülheimer Bürger im Vorderschiff. Der Bergische Löwe beherrscht aufrecht stehend das Hinterschiff. Das bergische Hinterland Mülheims steht also auch auf dem Mülheimer Schiff. Die Stadt des Handels, der Industrie und des Gewerbes arbeitet gemeinsam mit ihrem bergischen Hinterland an einem Ziel. Es gilt das Mülheimer Schifflein mit sicher nach vorn gerichtetem Bürgerblick und in guter Zusammenarbeit und Verbundenheit mit dem bergischen Hinterland gut über die Wogen zu bringen, auf denen es schwimmt. Möge die Symbolik des Mülheimer Wappens stets wegweisend für das im Laufe der Geschichte so erfolgreiche Mülheimer Bürgertum sein und bleiben.

Martin Friederichs,
Chronist im GMKG-Vorstand.
Getextet für das GMKG-Liederbuch 1960.


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