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Köln, Mülheim, Köln-Mülheim

Köln, Mülheim, Köln-Mülheim



Am Rhein gelegen, vis-à-vis von Köln gab es mal eine sagenumwobene Stadt – Mülheim


In der Reihe „Wissenswertes über die Große Mülheimer Karnevals-Gesellschaft und den Kölner Stadtteil Mülheim“ hat die GMKG interessante Berichte aus den Liederheften der 1960er-Jahre ausgegraben:


Unser altes Mülheim am Rhein vor 100 Jahren!

Will man sich eine Vorstellung von der Größe Mülheims vor 100 Jahren machen, so kommt dabei nur der Teil in Betracht, der begrenzt wird von der Dünnwalder Straße, dem Clevischen Ring, der Bachstraße und ihrer Fortsetzung bis zum Rhein. Die außerhalb dieser Grenze liegenden Straßen waren nicht durchgehend gepflastert, Wohnhäuser standen nur vereinzelt da. In der Nähe des Faulbaches, zwischen Düsseldorfer Straße und Rhein, war ein Hochofen in Betrieb, der nach früherer Bauart eine offene Feuerung hatte. Des Nachts war darum die ganze Umgegend hell erleuchtet. Nach jedem Schmelzvorgang wurden die glühenden Schlacken und Ascheteile mittels Kippwagen von Arbeitern an den Rhein gefahren und dort einfach das Ufer hinuntergeschüttet. Zischend und dampfend sanken die glühenden Massen ins Wasser hinab. Der jetzt noch vorhandene sogenannte Schlackenberg ist ein Zeuge dieser Zeit.
In der Nähe dieses Hochofens, auf der Düsseldorfer Straße, befand sich eine Barriere, wo Wegegeld bezahlt werden musste, ebenso auf der Gladbacher Straße. Ein Schlagbaum sperrte für Fuhrwerke die Straße und hob sich erst, wenn Geld entrichtet war.
An der Buchheimer- und Kurfürstenstraße lag die Holzschneiderei von Heidgen. Das Sägen geschah von Männern. Auf einem hohen Bock lag der Baumstamm, ein Mann stand oben drauf, ein zweiter stand darunter, und mit einer langen, breiten Säge schnitten sie den Stamm in Bretter. Die Arbeit ging langsam, aber dennoch mühevoll und an warmen Tagen im Schweiße des Angesichts vonstatten. Die Holzstämme wurden nach Bedarf von den Holzflößen geholt, die dort, am Zollhafen, lagerten. Man hängte sie zu zweien oder mehreren unter die Achse eines hohen Räderpaares, sodass sie wie ein Waagebalken schwebten. An einer langen Kette zog ein Pferd sie durch die Wall- und Buchheimer Straße zur Schneiderei, was beim Einbiegen der Buchheimer Straße des damals vorspringenden Bornheimschen Hauses nicht immer gut gelang, besonders dann nicht, wenn die Stämme allzu lang waren.
Der Strunderbach lief frei und offen durch die Dammstraße, von der Andreaeschen Fabrik bis zum Rhein war er durch Mauern eingefasst. In der Dammstraße führten mehrere Stege über den Bach, die Wallstraße überbrückte ihn, und von der Rheinstraße an bis zu seiner Mündung war er überbrückt, überdeckt und überbaut durch Getreide- und Lohmühlen, Wohnhäuser und Straßenteile. Das Gelände links vom Bach, zwischen Damm-, Danzier- und Papageienstraße, wurde von den anwohnenden Frauen als Bleiche benutzt, daher der Name Bleichstraße. Das vorbleifließende Wasser war klar und wurde zum Besprengen der Wäsche benutzt.
Zwischen Wall- und Rheinstraße reinigten die Gerber die rohen Tierfelle und bereiteten sie zur weiteren Verarbeitung vor. Letzteres geschah in den am Bach gelegenen Häusern. Die Arbeitsräume lagen kellertief und hatten über der Straße kleine Fenster. Dort saß die Straßenjugend oft stundenlang und sah zu, wie der Gerber das mit zwei Händen geführte lange Schabmesser brauchte, um die auf dem Schabbaum liegende gewässerte Haut zu enthaaren.
Das zwischen Papageienstraße, Bergischem Ring, Kalker- und Rheinstraße liegende Gebiet war mit Gemüsegärten ganz besetzt, die mit schönen, wohlgepflegten Hecken eingefriedigt waren. Von Eigentümern oder Pächtern wurden sie bestellt. Denn fast jede Familie hatte einen Garten und hielt im Haushof ein Schwein für den eigenen Bedarf. Den Stallmist fuhr man mit einer einrädrigen Karre zum Garten, um ihn zu düngen.
Südlich von der Kalker Straße war freies Ackerland. Einsam stand an der Windmühlenstraße, etwa 50 Schritte südlich vom Turm der Herz-Jesus-Kirche, die alte Windmühle. Sie war aus Stein gemauert und hatte die Form eines abgestumpften Kegels. Aus dem drehbaren Dach trat die Achse hervor, die die gewaltigen Flügel trug. Das Werk aber stand damals schon still.
Das an der Stadt vorbeiführende Ufer des Rheins war nur an der vorspringenden Klemenskirche reguliert, sonst lag es schmutzig und ziemlich verwahrlost da. Schutt, Asche, Küchenabfälle und Straßenkehricht wurden hier abgelagert und machten mit den vielen kahlen, schmucklosen Hinterseiten der am Ufer stehenden Gebäude einen unfreundlichen Eindruck. Nur der Rhein sorgte etwas für Ordnung und Schönheit, indem er bei Hochwasser all den Schutt und Schmutz mitnahm.
Die Häuser waren nicht wie heute nach Straßen, sondern durch die ganze Stadt fortlaufend nummeriert. Manches Haus hatte auch einen besonderen Namen: „Im Pavillon“ hieß das Haus Wallstraße 56, „Im Himmelreich“ das Haus Wallstraße 118, „Zum wilden Mann“ das Haus Freiheitsstraße 43. An der Ecke Wall- und Buchheimer Straße (später Firma Oppenheimer) stand ein kleines, niedriges Haus, das etwas in die Straße vorsprang. Die Eingangstreppe führte nicht aufwärts, sondern einige Stufen abwärts in einen Raum, der also unter Straßenhöhe lag. Hier führte ein gewisser Zimmermann einen Kleinhandel, und sein Geschäft hieß im Volksmund allgemein „Beim Zimmermann im Loch“. Es gab Anlass zu stets neuen Ulkliedern um Fastnacht.
Die Hauseingänge lagen als „Freitreppen“ meist auf den Bürgersteigen. Je vornehmer das Haus, desto breiter war in der Regel die Treppe. Auch die Kellereingänge ragten vielfach in den Bürgersteig hinein und waren durch schräg liegende Falltüren gedeckt, die durch Eisenband und Hängeschloss verschlossen wurden.
Die Bürgersteige sah man nicht als zur Straße, sondern als zum Haus gehörig an und sie wurden tagsüber von den Hausbewohnern recht ausgiebig benutzt. Diese stellten Stühle, kleine Tische, selbst die Wiege dahin und freuten sich der frischen Luft. Gestört von den Passanten wurden sie nicht, denn diese blieben von wegen der Freitreppen stets auf der Straße. So störte nichts die behagliche Ruhe. Metzger banden stundenlang das Vieh vor dem Hause fest, und dessen liebliches Gebrüll nebst anderen Sachen war freundliche Unterhaltung für die Nachbarn. Fing der Metzger an zu schlachten, so holte er das Vieh ein nach dem anderen in „Schlachtes“ und hing es dann wieder draußen auf, zur Augenweide der Vorübergehenden und als Empfehlung für das Geschäft. Der Gemüse- und Obsthändler schlug auch draußen seinen Laden auf. Überhaupt benutzte jedes Geschäft den Bürgersteig als Ausstellungsraum.
Die Haustüren waren hier und dort noch mit metallenen Türklopfern versehen, die meisten aber hatten Schellzüge, die vom Mutwillen der Straßenjugend recht häufig gezogen wurden.
Nicht jedes Haus hatte seine eigene Entwässerung zur Straßenrinne. Kanalisation gab’s eben noch nicht. Vielfach mussten die Regen- und Hauswässer zuerst über des Nachbarn Hof geleitet werden, um zur Straße zu gelangen. Das gab dann oftmals, so bei Frostwetter, unliebsame Störungen, die dann häufig mit einem kräftigen Wortwechsel der Nachbarn nicht gerade freundlich ausklangen. Die Straßenrinnen selbst führten ihre Gewässer dem Rhein oder Strunderbach zu.
In mehreren Straßen befanden sich öffentliche Brunnen mit Pumpen zur allgemeinen Benutzung, so an der Ecke Turm- und Rheinstraße, in der Dammstraße am Josefstift, am Nordende der Taubenstraße, am Nordende in der Wallstraße usw. Die Bewohner mussten so durch mehrere Straßen ihre Wassertracht schleppen. Auch Privatbrunnen auf den Haushöfen gab es, deren Mitbenutzung den Nachbarn meist gern gestattet wurde. Diese Brunnen hatten aber keine Pumpen, sondern eine Kurbelwelle, über die eine lange Kette lief, die einen Eimer trug. Da das Ab- und Aufwinden der Kette Zeit erforderte, so kürzte man diese durch ein Schwätzchen, das aber oft noch mehr Zeit als ab- und aufsteigende Eimer erforderte. So waren denn die Brunnen die Zeitungsgeschäftsstellen, wo Stadt-Neuigkeiten kamen und gingen.
In jedem Haus war ein lederner Brandeimer, der in der Regel mit einer Nummer des Hauses versehen war. Dann und wann ließ die Stadtbehörde diese Eimer auf die Wasserdichtigkeit prüfen (durch den Schornsteinfeger). Brach Feuer aus, so wurde durch Anschlagen der Kirchenglocken die Bürgerschaft benachrichtigt. „Es ist am kleppen, es brennt, es brennt“, rief man einander zu, und alles eilte zur Brandstätte hin. Schnell bildete sich eine Doppelreihe zum Bach oder Rhein hin, und „durch der Hände lange Kette um die Wette flog der Eimer“ zur Feuerspritze, die von Männern geholt und nun in Betrieb gesetzt wurde. Auch die in der Nähe befindlichen Brunnen lieferten Löschwasser.
Der Nachtwärter durchschritt nachts die Straßen der Stadt und kündete durch Blasen ins Horn die Stundenzahl an. Auch weckte er die Bäcker zu einer verabredeten Zeit durch Ziehen an einer vor ihrem Hause auf die Straße herabhängenden Schnur, die an einer Schelle im Schlafzimmer befestigt war, damit sie rechtzeitig das im Backofen gar gewordene Brot herausnehmen konnten.
Das Mengen von Steinkohlengries mit Lehm war allgemein üblich und geschah auf der Straße. Eine Karre Gries wurde auf dem Pflaster aufgeschlagen, fetter Lehm kam darunter, mit Wasser wurde alles benetzt, gemengt und das Gemenge dann in den Keller geschafft.
Zur Beleuchtung der Räume diente die heute noch bekannte „Glockenlampe“, die mit Steinöl gespeist wurde, für gewöhnlich aber die zinnerne Rüböllampe. Sie war billiger als jene, leuchtete aber nicht so hell und qualmte und rußte leicht, wenn das „Lemmetsjahn“ zu weit herausgezogen wurde. Auch die Talgkerze war noch viel im Gebrauch, die auch bald zu qualmen begann, da der Talg leicht schmolz oder abtröpfelte, der Docht dadurch zu lang wurde und stark zu rußen begann. Da griff man denn zur Dochtschere und beseitigte das Übel.
Das Küchen- und Tischgerät bestand noch vielfach aus Zinn, wie Kaffeekannen, Teller, Becher, Leuchter u.a. Es ging nicht so leicht entzwei wie Steingut oder Porzellan, büßte aber mit der Zeit seine ursprüngliche Form ein. Einfach und schlicht war damals auch die Tracht der Bürger Mülheims. Die Mode hatte nicht solche Herrschaft, dass man ihr blind wie heute gefolgt wäre. Damals kam gerade die Krinoline auf, die überall freundliche Aufnahme fand. Nicht aber so in Mülheim. Hier war sie sogar polizeilich verboten, und wer sich von den Frauen in einer Krinoline sehen ließ, wurde gar eingesperrt; denn im „Mülheimer Volksblatt“ vom Jahre 1862 Nr. 23 findet sich die ergötzliche Nachricht: „Mülheim, 19. März 1862. Schon wieder hat sich ein fremder bekrinolinter Zugvogel hierher verflogen, diesmal von Remagen aus. Soeben wurde derselbe bei einem Ausfluge, wozu ihn das Frühjahrswetter verlockte, durch den Polizeisergeanten N. gefangen und in Nummer Sicher gebracht.“
Als Marktplatz wurde die Freiheitsstraße von der Kirchstraße bis zur Krahnenstraße benutzt. Die Landleute aus dem Bergischen kamen mit ihren Sachen meist über die Buchheimer und Dünnwalder Straße hier an, die Frauen mit ihren Kopftüchern, die Körbe auf dem Kopf, die Männer in blauen Kitteln, die Kiepe auf dem Rücken tragend. Genannte Straßen waren die Hauptgeschäftsstraßen der Stadt, deren Anwohner sich fast alle eines besseren Wohlstandes erfreuten. An der Ecke der Münzstraße wurde eine Schicht Stroh auf den Bürgersteig gestreut für die zu verkaufenden Kälber. Mancher Landmann trug auf seinem Rücken das Kalb selbst zum Markt, meist derart, dass er dem Tier die Beine kreuzweise zusammenband und es auf beide Schultern hob, sodass der Kopf des Kalbes baumelte.
Wenn zur Herbstzeit die Wintervorräte eingekellert wurden, dann standen die Straßen voller Ochsenkarren aus dem Bergischen, und die Buchheimer Straße erwies sich in einem Teil zwischen Tauben- und Freiheitsstraße häufig als zu eng. In den Häusern sammelten sich die Nachbarn zur gemeinsamen Arbeit, es waren die Fitz- und Streufabende, wo die Bohnen gefitzt und der Rübstiel gestreuft wurden. Jede Familie machte auch ihr Sauerkraut ein. Das geschah meist durch besondere „Kappesschaber“, die mit ihrem Schabebrett und den daran befestigten Holzschuhen auf dem Rücken in den betreffenden Familien erschienen.
Das Rathaus lag im Hause Wallstraße 100 und hatte seinen Eingang von der Wallstraße her. Nur die unteren Räume wurden von der Verwaltung benutzt. Die amtliche Bekanntmachung besorgte der Polizeidiener durch Ausschellen auf den Straßen. Die oberen Räume des Rathauses wurden zu Schulzwecken benutzt (Bürgerschule). Ebenso die Seitengebäude. Eine katholische Volksschule befand sich in der Friedrich-Wilhelm-Straße, dort war auch die höhere Mädchenschule untergebracht, die von der Frau des Oberlehrers Ott geleitet wurde.
Auf dem Platz der Mariä-Himmelfahrts-Kirche befand sich die lange Reihe der Häuser für die Geistlichkeit und den Küster, der Pfarrer wohnte noch bei der Klemenskirche in der Kirchstraße, ebenso der Kaplan.
Das Krankenhaus befand sich Regentenstraße 8 und wurde von Ordensschwestern geleitet. In der Kapelle des Hauses bauten die Schwestern zur Weihnachtszeit eine Krippe auf, zur Freude der Kinder der ganzen Stadt. Denn was heute fast jede Familie selbst hat, fast in jedem Schaufenster um Weihnachten zu sehen ist, das hatten damals nur die Schwestern im Krankenhaus.
Das Postgebäude befand sich an der Westseite des früheren Staatsbahnhofes am Clevischen Ring. Ein Postwagen fuhr zwischen Mülheim und Köln und der Postillon ließ, wenn er durch die Straßen fuhr, stets sein Horn ertönen. Am Rhein standen lange Droschkenreihen, die dem Verkehr mit Köln dienten. Von der Brückenstraße aus hatte man Gelegenheit, sich mittels Nachen nach dem jenseitigen Ufer fahren zu lassen. Auch zum Übersetzen von Groß- und Kleinvieh sowie für Gefährte lag ein großer Holzkahn bereit, die „Schal“ genannt, deren Boden nach dem hinteren Ende zugleich breit blieb und schräg anstieg. Am Hinterteil war eine Brücke der Auffahrtsrampe angebracht, die beim Landen wie eine Zugbrücke niedergelassen wurde. Zum Rudern und Steuern der „Schal“ waren mindestens zwei Schiffer erforderlich. Von bespannten Fuhrwerken konnte immer nur eins aufgenommen werden. Bei der Landung musste es, da es auf dem Schiff nicht wenden konnte, rückwärst hinausgefahren werden.

Martin Friederichs,
Chronist im GMKG-Vorstand.
Getextet für die GMKG-Festzeitschrift 1966.


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