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Köln, Mülheim, Köln-Mülheim

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Am Rhein gelegen, vis-à-vis von Köln gab es mal eine sagenumwobene Stadt – Mülheim


In der Reihe „Wissenswertes über die Große Mülheimer Karnevals-Gesellschaft und den Kölner Stadtteil Mülheim“ hat die GMKG interessante Berichte aus den Liederheften der 1960er-Jahre ausgegraben:


Zur Geschichte der Mülheimer Krankenhäuser

Als ältestes Mülheimer Krankenhaus wurde im Jahre 1413 das Armen- und Krankenhaus errichtet. Sein Stifter ist Heyntze von Nuysse. Er wird auch als Erblasser in der Pergamenturkunde Nr. 5 des Mülheimer Stadtarchivs erwähnt.
Nach ihr vermacht der Testator 1.000,– Gulden und dazu noch Ländereien an das Hospital Mülheim. Nach Pergamenturkunde Nr. 13 stiften Herzog Adolf VII. und dessen Gemahlin dem Mülheimer Hospital eine jährliche Rente von 30 rheinischen Gulden. Im Jahre 1422 wird die Verwendung von 1000 rheinischen Gulden für das Hospital in Mülheim bestätigt.
Im Jahre 1514 entlieh die Stadt Köln nach einer Urkunde, die im Jahre 1898 in der Zeitschrift des bergischen Geschichtsvereins veröffentlicht wird, bei dem Mülheimer Hospital 450 Florin. Nach Urkunden aus den Jahren 1531 und 1542 war die Verwaltung des Hospitals bereits ganz an die Gemeinde Mülheim übergegangen. Sie unterstand im Jahre 1542 einem „Regierenden Provisor“. Den inneren Dienst besorgte ein „Verwahrer“ oder eine „Verwahrersche“. Sie erhielten dafür ein Entgelt und bekamen freie Wohnung, den Unterhalt für die Dienstmädchen, jährlich zwei Schweine, eine Kuh, ein paar gutgelappte Schuhe, 10 Ellen wollenen Tuches usw. Diese Angaben sind im Heft 5 „Armensache der Stadt Mülheim“ einzusehen.
Aus dem Jahr 1775 berichten die obengenannten Armensachen über den Neubau des Hospitals. Vorangegangen war wohl ein angefordertes Gutachten über den Zustand der Bauten durch den damaligen Hofbaumeister Kees. Er bezeichnet darin das Hospital als völlig zerfallen. Am 30. Januar 1775 erfolgten entsprechende Änderungsvorschläge.
Am 4. Juli 1775 wurde durch den Kurfürst Karl Theodor der Abriss der alten Gebäude wegen ihres Unstandes verfügt. Nach Urkunden vom 25. April und vom 13. Oktober 1775 wurde Meister Katterbach beauftragt für 2.300,– Reichstaler ein neues Kranken- und Armenhaus zu errichten. Unter dem 23. Juni 1776 teilte die Mülheimer Stadtverwaltung dem Fürsten mit, dass 1.000 Reichstaler für den Bau nicht gedeckt seien. Diese wurden durch eine genehmigte Kollekte geregelt.
Wesentlich erscheint die Ordnung des Tagesablaufs eines in das Krankenhaus Aufgenommenen. Über die Aufnahme entschieden die Bürgermeister und z.T. auch die Geistlichkeit, die aber später nicht mehr so großen Einfluss ausübte. Es ist daraus zu entnehmen, dass es sich bei der Einrichtung mehr um ein Armenhaus als um ein Krankenhaus handelte.
Mit kurfürstlicher Genehmigung erschien am 17. Oktober 1776 noch eine Ergänzung zu der Ordnung über das Kranken- und Armenwesen der Stadt Mülheim a. Rhein.
Wer im Haus aufgenommen war, musste um 6.00 Uhr bzw. um 6.30 Uhr aufstehen. Um 7.00 Uhr hatten sich alle, die dazu in der Lage waren, in der gemeinsamen Stube zu versammeln, wo für den Kurfürsten und die Armenwohltäter gebetet wurde. Um 8.00 Uhr musste jeder Aufstehendfähige an der Heiligen Messe teilnehmen oder, falls eine solche nicht stattfand, wenigstens eine halbe Stunde bei Gebet in der Kirche verweilen. Um 12.00 Uhr gab es zum Angelus wieder geistliche Übungen. Um 7.00 Uhr abends fanden wie am Morgen wieder Gebete in der gemeinsamen Stube statt. Um 8.00 Uhr abends musste sich jeder Insasse ohne Licht auf das für mehrere Personen vorgesehene und ihm zugewiesene Zimmer begeben, wo dann zu schlafen war. In der Zwischenzeit musste sich jeder um die Mittel für sein Essen durch Arbeit bemühen.
Um leibliche Bedürfnisse sorgte sich nämlich das Haus kaum. Jeder Insasse bekam unentgeltlich nur Wasser, Pfeffer, Salz und wöchentlich ein Brot. Für alles Übrige hatte jeder selber durch Arbeit zu sorgen. Er musste sich zu bestimmten Stunden mit den erarbeiteten Mahlzeiten im Gemeinschaftsraum einfinden. Diese konnte er dort verzehren. Nichtbettlägerige Insassen hatten für bettlägerige in allem mit zu sorgen. Verstieß einer gegen diese Anordnung, so wurde er mit 20 oder, wenn er es aushielt, mit mehr Stockschlägen bestraft. Zu dieser Strafe konnte auch noch die Strafe des Arrestes bei Wasser und Brot treten.
Auf die Bänke vor dem Hospital durften sich die Insassen zwar zur Sommerzeit setzen, nie aber legen. Man sieht aus dem Vorgesagten, dass es sich bei dem Haus zwar dem Namen nach um ein Hospital, mehr aber um ein Armenhaus bzw. ein Gefängnis handelte. Es blieb so bis zum 2. November 1809, dem Tage, als nach einer Verfügung Napoleons das Haus als Krankenhaus weiterbestehen sollte, als Armenhaus aber an die Armenverwaltung überging.
Als Krankenhaus lag es noch bis zum Jahre 1871 an der Mülheimer Freiheit. Schon im Jahre 1868 betonte die Armenverwaltung der Stadt Mülheim die Notwendigkeit eines neuen Hospitals. Hierzu wurde für 146.000,– Mark ein Grundstück an der Gladbacher Straße gekauft. Das alte Haus wurde nach Fertigstellung des neuen Hospitals für 52.296,– Mark verkauft. Bis zum Jahre 1908 wurde das neue Haus erweitert. Schon im Jahre 1907 wurden die Wirtschaftsgebäude des neuen Hauses übergeben, und am 8. September 1908 erfolgte die Übergabe des neuen Hauses mit 230 Betten. Es hatte damals Abteilungen für Chirurgie, Hautkrankheiten, Innere Krankheiten, Augen und Ohren sowie eine Infektionsstation.
Es verfügte noch über eine Zweigniederlassung, und zwar ein Ambulatorium für Kinderkrankheiten. Seine Leitung oblag dem Herrn Dr. med. Pelzer sen. Für dieses Ambulatorium gab es zwei Räume in einem Privathaus. Den Dienst versah eine Wärterin, und die Heizkosten wurden vom damaligen Armenhaus in Mülheim, Kohlplatz 1, getragen.
Das städtische Krankenhaus stand damals unter der Leitung von Dr. med. Paul Goeke. Die Ausgaben und Einnahmen dieses Hauses sind bis zum 1. April 1894 im Armenetat der Stadt Mülheim nachgewiesen. Danach erscheinen sie selbstständig. So ist es auch im Haushaltsplan für 1902 ff. Dieser Haushaltsplan bewegt sich im Jahre 1902 um 61.000,– Mark jährlich.
Das städtische Krankenhaus erlebte auch nach der Eingemeindung Mülheims zur Stadt Köln mehrere Umbauten, vor allem im Jahre 1932. Es hatte später noch eine Geburtenstation mit sieben Betten und einem Kreißsaal sowie einem Schwesternzimmer.
Im Zweiten Weltkrieg erhielt das Haus am 28. Mai 1944 einen Treffer durch einen Minen-Blindgänger, wodurch es leicht beschädigt wurde, wie der damalige Bericht des Polizeipräsidenten aussagt. Am 28.10.1944 wurde es total zerstört und nicht wieder aufgebaut. Die geretteten Kranken wurden nach Köttingen oder Marialind bei Hoffnungsthal in damalige Hilfskrankenhäuser gebracht. Über das Ambulatorium für Kinder wurde bisher nichts in Urkunden gefunden.
Die Aufgabe des städtischen Krankenhauses Mülheim wurde nach dem Zweiten Weltkrieg vom Hilfskrankenhaus in Köln-Dellbrück, das unter Verwaltung der städtischen Krankenanstalten in Köln-Merheim stand, übernommen. Die Anstalten sind auf dem Gelände des früheren Militärflughafens entstanden.
Schon am 21. November 1918 war ein Beschluss gefasst, im Bereich der Iddelsfelder Hardt in Köln-Brück 783 ha Gelände für ein rechtsrheinisches städtisches Krankenhaus zu kaufen. Dieser Kauf wurde immer wieder verschoben. Er ist wohl nun mit dem Bau des großen städtischen Krankenhauses in Köln-Holweide nichtig. Dieses Haus hat jetzt die Nachfolge des früheren städtischen Krankenhauses sowie der übrigen Krankenhäuser dieses Stadtteils übernommen.
Als Nächstes der Mülheimer Krankenhäuser sei auf das evangelische Haus in Köln-Mülheim hingewiesen. Es lag an der Düsseldorfer Straße und wurde am 18. Juli 1905 eröffnet. Eine Stiftung des Kommerzienrates L. Nöell hatte seine Eröffnung ermöglicht, und es verfügte bei der Eröffnung über 32 Betten. Im Jahre 1910 wurde dort nach einem Haushaltsplan der Stadt Mülheim, die Zuschüsse für dieses Haus gewährte, 270 Kranke behandelt. Während des Ersten Weltkrieges diente es als Kriegslazarett, wurde aber bald nach Ende dieses Krieges aufgelöst. Seine wirtschaftliche Lage war seit Langem schwierig. Es wurde an den Rheinisch-Westfälischen Diakonieverband verpachtet und als Heimathaus der evangelischen Diakonissenschwestern umgebaut. Im Jahre 1925 wurde dem Verband gekündigt und das Haus wurde dann ein evangelisches Jugend- und Vereinszentrum. Es bekam den Namen Ernst-Moritz-Arndt-Haus und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg eine Gastwirtschaft, in deren Saal die GMKG bis zum Jahre 1963 viele Sitzungen und Bälle durchführte. Danach wurde es abgerissen und dient heute nach völligem Neubau als evangelisches Altenwohnheim.
Als Letztes sei das Dreikönigen-Krankenhaus in Köln-Mülheim erwähnt. Es wurde im Jahre 1868 gestiftet durch die Ww. Kasper Keup, geb. Maria Sibilla Petronella Wolff. Sie schenkte damals dafür der katholischen Gemeinde ein Haus mit Garten und das Baukapital für ein Krankenhaus.
Erweiterungsbauten gab es mehrere in den verschiedensten Jahren. Die Verwaltung des Krankenhauses erfolgte stets durch ein Kuratorium bzw. durch einen Vorstand. Ein Statut vom 15. Februar 1868 bestimmte das Hospital zur unentgeltlichen Verpflegung hilfsbedürftiger Kranker und arbeitsunfähiger Armer ohne Rücksicht auf deren Bekenntnis. Am 23. August 1869 erhielt das Haus durch Kabinettsorder Korporationsrechte. Nach Mathilde Scholl war es 1905 geführt von den Armenschwestern vom heiligen Franziskus. Es hatte nach gleicher Quelle noch eine Zweigniederlassung in der damaligen Windmühlengasse, heute Windmühlenstraße 127. Später war die Niederlassung in der Friedrich-Wilhelm-Straße. Beide Häuser waren stets nur für die ambulante Krankenpflege durch Schwestern da.
Das katholische Dreikönigshaus versorgte im Jahr 1900 insgesamt 1.604 Kranke. Von den gesamten Kranken erhielten 43 unentgeltliche bzw. ermäßigte Behandlung, 73 von der Gesamtzahl erhielten Bettstiftungen. Darüber berichten die Haushaltspläne der Stadt Mülheim, von der auch das Dreikönigenkrankenhaus Zuschüsse erhielt. Laut Haushaltspläne von 1906 bis 1911 gab es im Jahre 1910 im Dreikönigenkrankenhaus bereits 2.042 Kranke. Von der Gesamtzahl der Kranken waren 43 unentgeltlich oder ermäßigt und 59 nach Bettstiftungen im Krankenhaus.
Sowohl im Ersten Weltkrieg wie auch im Zweiten Weltkrieg diente das Dreikönigskrankenhaus z.T. als Kriegslazarett.
Am 28. Oktober 1944 wurde es nach einem Bericht des Polizeipräsidenten bei einem Fliegerangriff, bei dem das städtische Krankenhaus total vernichtet wurde, schwer beschädigt. Es konnte aber seinen Betrieb aufrecht erhalten. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Dreikönigskrankenhaus das einzige Krankenhaus in Köln-Mülheim. Die Kranken lagen bis zu dem ersten erfolgten Umbau z.T. auf den Fluren. In der Folgezeit erlebte das Haus dann noch mehrere Umbauten. Da die wirtschaftlichen Schwierigkeiten sich häuften, musste es am 28. November 1975 für immer seine Pforten schließen. Vorangegangen war ein erbittertes Ringen dieses Hauses um seine Existenz. Daran beteiligten sich nicht nur Personal einschließlich Ärzteschaft des Hauses, sondern große Teile der Mülheimer Bevölkerung.
Wenn auch die Bevölkerungsbewegung von 1910 über die Eingemeindung Mülheims nach Köln von 53.350 auf 43.868 im Jahr 1975 rückläufig war, so mag es doch zu Denken Anlass geben, wenn seit 1910 drei Krankenhäuser Mülheims ihre Tore schlossen und Mülheim jetzt ohne ein Krankenhaus auskommen muss. Es mag zutreffen, dass in der modernen Krankenpflege nicht jeder Vorort sein Krankenhaus haben muss. Trifft aber nicht auf rund 40.000 Einwohner, das ist die Bevölkerungszahl einer Kreisstadt, wenigstens ein Krankenhaus zu?

Martin Friederichs,
Vorstand und Senator der GMKG.
Getextet für das GMKG-Liederbuch 1977.


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