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Köln, Mülheim, Köln-Mülheim

Köln, Mülheim, Köln-Mülheim


Woher kommt der Name von Köln-Mülheim, als es noch „Mülheim“ hieß


In der Reihe „Wissenswertes über die Große Mülheimer Karnevals-Gesellschaft und den Kölner Stadtteil Mülheim“ hat die GMKG interessante Berichte aus den Liederheften der 1960er-Jahre ausgegraben:


Der Name Mülheim

Betrachtet jemand den Ortsnamen Mülheim, so ist festzustellen, dass seine zweite Silbe, das Grundwort „-heim“, auf eine fränkische Ortsbegründung hinweist. Übernahm ein Franke damals eine schon bestehende römische Siedlung, so nannte er sie seine „villare“. So entstanden in unserer Gegend Brunsvillare, heute Brauweiler, das villare an den Eschen, heute Eschweiler. So entstanden auch Liblar oder auch die verschiedenen Orte mit dem heutigen Namen Weiler. Da nach fränkischem Recht nur der älteste Sohn den Hof erbte, siedelten nachgeborene Söhne an anderer Stätte und nannten diese Siedlung dann ihre „stätte“. So entstanden das heutige Fließsteden, Manstetten, Knechtsteden usw. Dazu gehören auch die Ortschaften auf „-hoven“, wie z.B. Volkhoven, Westhoven, Thenhoven u.a. In fränkischer Zeit entstanden aber auch als Neusiedlungen die Orte auf „-heim“. So hießen das Heim in der nassen Niederung, der Aue, Euenheim. So entstanden das Heim am Berge oder Bergheim, das Heim im Walde Buchonia oder Buchheim, die Heime am Maar oder Pohl, die heutigen Orte Merheim oder Pulheim. Die zweite Silbe des Wortes wurde auch oft in „-em“ abgeschliffen, woraus Horrem, Sechtem, Mehlem oder auch Müllem entstanden. Ursprünglich war wohl damit das Heim an den Mühlen am Strunderbach gemeint. Sie sind nach und nach alle verschwunden. Im rechtsrheinischen Gebiet sind aber heute noch die Namen Diepeschrather Mühle und Gierather Mühle erhalten. An eine früher dort liegende Mühle erinnert heute noch in Mülheim die Windmühlenstraße.

Der Name des heutigen Mülheim/Rhein lautete aber nicht immer so wie heute. Er wird sogar in den gleichen Urkunden verschieden geschrieben. Da es sich um eine Siedlung aus ripuarischer Zeit handelt, muss der Name eigentlich recht früh vorkommen. Er wird in einer Urkunde des Jahre 1098 erwähnt. Die Schreibung des Ortsnamens und der Begriff „Freiheit“ seien nun im Folgenden betrachtet.

Bei dem Heriman de Mulenheym in der Urkunde von 1098 handelt es sich wohl um den Mann, den der Erzbischof Friedrich bannte. Bendel verweist in seinem unter Quellen und Darstellungen erwähnten Werk auf die Urkunde von 1098, veröffentlicht sie jedoch nicht, entnimmt Angaben dazu aber dem Werk von Zuccalmaglio, Geschichte und Beschreibung der Stadt und des Kreises Mülheim/Rhein.

Lacomblet veröffentlicht in seiner Urkundensammlung Bd. I zwei Urkunden von 1116 und 1139. In der Urkunde Nr. 281 von 1116 bestätigt Erzbischof Friedrich von Köln der Abtei St. Pantaleon die Villa Brockendorf und ein Gut in Mülheim. In der Urkunde Nr. 338 von 1139 bestätigt der Erzbischof Arnold I. der Abtei St. Pantaleon den Besitz dieses Gutes in Mülheim, nachdem die oft wiederholten Erbansprüche eines Dritten beseitigt wurden. In beiden Urkunden, von Lacomblet veröffentlicht, heißt der Ort „Molinheim“. Eine Urkunde im gleichen Band von Lacomblet spricht im Jahre 1152 von der Kurie in „molenheym“, und im zweiten Band dieser Urkundensammlung wird aus dem Jahre 1268 von der Fähre in „mulinheim“ gesprochen. Im dritten Band dieser Urkundensammlung wird aus dem Jahre 1322 der Ortsname „molenheym“ übermittelt. In der Urkunde kommt dieser Name oft und stets vor. Das historische Archiv der Stadt Köln birgt unter alten Mülheimer Akten auch eine Reihe Pergamentschriften aus Mülheim. Sie können im Arbeitssaal eingesehen werden. Unter diesen Schriften ist Nr. 2 vom 25.11.1360. Hier erscheinen in einer Urkunde der Gräfin Margareta und ihres Sohnes Wilhelm II. von Berg die Bezeichnungen „müllenheim“ und auch „moelenheim“ für den gleichen Ort.

Auch in Nr. 4 kommen verschiedene Bezeichnungen des Ortes vor. Nach dieser Schrift verkauft am 4.6.1382 Heinrich Fykinck aus „molenheym“ dem Pastor Fredorich der Kirche zu „molenheim“ ein Grundstück. Der Ort wird aber in der gleichen Urkunde auch „molenheim“ und am Schluss wieder „molenheim“ genannt. Bendel erwähnt dann in seinem Werk eine Urkunde, deren Richtigkeit nicht zu überprüfen war, da die von Bendel zitierte Urkundensammlung von Ledebur dem Schreiber dieser Zeilen nicht zur Verfügung stand. Nach Bendel wird der Ort hier als „vryheit van Müllenheim“ bezeichnet. Das gilt auch für die ebenfalls von Bendel erwähnte Schrift vom 11. Februar 1409. Herzog Adolf VII. dankt darin öffentlich der „Vryheit zu Molenheim“ für ihre Dienste. In der gleichen Schrift heißt es aber auch „Mölenheim“ und „Müllenheim“.

Die Urkunde Nr. 8 vom 18.1.1416 bestätigt den Verkauf eines Zehnten in Weidenbroich. Diese Urkunde ist auch noch in einer Abschrift von 1695 vorhanden. Die Urkunde selber enthält die Ortsbezeichnungen „Moilenheim“ und „Moillenheim“, was aber schlecht leserlich ist. In der Abschrift steht „Moilenheim“. Die Bestätigung dieses Verkaufs ist am 24.1.1416 erfolgt, und in Nr. 9 heißt der Ort „moillenheim“. Bendel erwähnt dann noch eine Urkunde Nr. 10 vom 20. August 1418. Das Fehlen dieser Urkunde wurde am 29.1.1924 im Kölner Stadtarchiv festgestellt. Es war nicht nachzuprüfen, ob Bendel diese Urkunde noch gesehen hat oder ob er sie aus der Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins Jahrgang 1898 entnommen hat. Er führt den Abdruck der genannten Urkunde in dieser Zeitschrift an. Nach dem Abdruck dieser früher vorhandenen Urkunde hieß der Ort „Moelenheim“, wurde aber auch in den gleichen Abdrucken „Moelnheim“ geschrieben.

Bendel veröffentlicht dann eine Urkunde Nr. 12 aus dem Mülheimer Stadtarchiv. Das kann u.U. zutreffen. In einem Verzeichnis der bei der Eingemeindung nach Köln übergebenen Mülheimer Urkunden ist aber eine andere Urkunde unter der Nr. 12 erwähnt. Sie hat dem Schreiber dieser Zeilen vorgelegen, bringt den Namen „molenheim“ und besagt, dass der Pastor Johannes Voisken vier Morgen Land erhält. Bendel erwähnt unter der Urkunde Nr. 12 aber einen Pastor Johan Voesgyn van Uttendarne (Odenthal) und sagt, dass nach der Urkunde Nr. 12 dieser Pfarrer und die Geschworenen sowie Thönis von Nusse die Verwendung von 1.000 Gulden für das Hospital bestätigen. Der Inhalt der von Bendel zitierten und vom Schreiber dieser Zeilen eingesehenen Urkunden Nr. 12 ist also verschieden. Wesentlich erscheint noch, dass Bendel seine Urkunde auf das Jahr 1422 zurückführt, während die vom Schreiber eingesehene und erwähnte Urkunde Nr. 12 auf den 27.08.1423 zurückgeht. Da Bendel aber auch anführt, dass die Urkunde, die er erwähnt, im Jahrgang 1898 der Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins abgedruckt ist, darf wohl angenommen werden, dass er sie dort entnommen hat und dass der Irrtum dort entstanden ist. In der von ihm zitierten Urkunde ist der Ort „moelenheym“ genannt. Das Urkundenbuch von Lacomblet veröffentlicht in Bd. IV Seite 99 ff. ein Gespräch des Königs Sigismund zwischen ihm und verschiedenen anderen Gesprächspartnern, u.a. dem Herzog Adolf VII. von Berg. Dabei wies der Herzog darauf hin, dass „Mulnheim“ sein altes väterliches Erbe sei. Bei der Gesprächswiedergabe wird der Ortsname auch einmal „Mulnheym“ geschrieben. Mit einer bei Lacomblet Bd. IV, S. 167 abgedruckten Urkunde verkündet König Sigismund, dass er in Mülheim eine Prägestelle errichte. Die Ortsbezeichnung lautet hier Mulnheim.

Mit der Pergamentschrift Nr. 13 bestätigt am 13.1.1511 Johann, der älteste Sohn von Cleve, die Privilegien des Ortes „Müllenheim“. Der Name ist in dieser Schrift schwer leserlich. Der gleiche Johann, ältester Sohn von Cleve, spricht in der Pergamentschrift Nr. 14 als Herzog Johann III. von Berg am 24.7.1514 der Freyheit Muellenhb. (Abkürzung) seinen Dank für abgeführte Steuern aus, er spricht von der „freyheit van Müllenheim“, aber auch von „Moelenheim“. Zu dieser Urkunde gibt es auch eine Abschrift aus dem 17. Jahrhundert. Unter dem 1. März 1568 erteilt nach Pergamentschrift Nr. 15 Wilhelm von Jülich der Freiheit Mülheim, die immer wieder so genannt und geschrieben wird, die Erlaubnis, von jedem Wagen oder Karrenpferd zwei Heller Weggeld zu erhalten. Am 22.6.1575 erhält mit Urkunde Nr. 16 die „Freiheit Mülheim“ das Recht, ein Siegel zu führen. Dieses Siegel wird dann noch näher beschrieben. Am 27.6.1575 wird mit Urkunde Nr. 17 der Reifenmarkt der Freiheit Mülheim erneuert. Hier heißt es mehrmals „Müllenheim“, aber auch mehrmals „Mulheim“.

Laut Urkunde Nr. 18 pachtet am 2. Januar 1595 Christian Vogts, Vogd zu Deutz und Mülheim zwei Örter gardens, die dem Hospital zu Mülheim gehören. In dieser Urkunde heißt es sowohl „Vogdei Müllenheim“ als auch „Freiheit Müllenheim“. Am 11. November 1595 entleiht Ludwig Brand zu Stambheim 100 Thaler von der Freiheit Mülheim. Das teilt der Scholtheiß Bürgermeister der „Freiheit Müllenheim“ mit. Die Schrift stammt vom „Schöffengericht Stambheim“. Unter Nr. 21 des früheren Mülheimer Archivs macht Godfried Schnabell, Scholtheißt zu Müllenheim, am 6.9.1601 sein Testament.

Die Urkunde Nr. 28a ist völlig durchkreuzt, war also wohl ungültig. Danach leiht am 2. Februar 1616 „Caecilia von Burgsch zu Stambheim von der Freiheit Mullenheim“ 30 kölnische Taler. Mit Urkunde Nr. 25 bestätigt am 25. Januar 1668 der Pfalzgraf bei Rhein und Herzog Philipp Wilhelm von Berg die früheren Privilegien der „Freyheit Mülheim“. Diese sehr umfangreiche Urkunde enthält eine Abschrift aller früheren Privilegien. Während es in der Bestätigung immer Mülheim heißt, lautet die Ortsbezeichnung in allen Abschriften anders. Dies gilt auch für die Pergamentschriften Nr. 47 und Nr. 49 vom 29. März 1715 und vom 20.9.1730. Beide Schriften enthalten Bestätigungen der früheren Privilegien und deren Abschriften.

Es ist feststellbar, dass die heutige Schreibweise und auch Aussprache des Ortsnamens Mülheim sich um die Wende des 17. Jahrhunderts herum, also um 1600, nach und nach durchsetzte. Vorherige abweichende Schreibweisen sind entweder durch mangelnde Genauigkeit in der Rechtschreibung zu erklären, stützen sich aber auch auf die Mundart und lehnen sich an die Umgangssprache an.

Die Schöpfung der einheitlichen Schriftsprache erfolgte immerhin erst durch Luther in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, und es dauerte gewiss noch lang, ehe sie überall Eingang fand. Das war auch stets abhängig vom Bildungsgrad des jeweiligen ausfertigenden Schreibers. Auf diese Art mag sich wohl erklären, dass der Ortsname in der gleichen Urkunde oft in verschiedenster Schreibung vorkommt.

Die „Freiheit Mülheim“ besagt wohl, dass in diesem Ort die Bürger verschiedene Freiheiten besaßen, vor allem das der Ort frei von vielen Abgaben war. Das dieser Ort ein „oppidum“, also befestigt war, geht aus mehreren Urkunden hervor. Auch das Verlangen nach Zerstörung dieser Befestigung kündet davon. An den Namen „Freiheit“ erinnert heute noch der Straßenname „Mülheimer Freiheit“. Wir verbinden heute mit „Freiheit“ weniger den Begriff „frei von Abgaben“. Wir denken dabei mehr an ein abstraktes Substantiv. Wir sind auch freie Menschen, frei von Untertanengeist. Wir sprechen, wir leben, wir handeln in Freiheit. Möge diese Freiheit auch kommenden Geschlechtern erhalten bleiben!


Martin Friederichs, Chronist im GMKG-Vorstand. Getextet für die GMKG-Festzeitschrift 1976.
Benutzte Quellen und Darstellungen:
Pergamentabteilung des früheren Mülheimer und heutigen Kölner historischen Archivs.
Lacombet, Urkundenbuch Bd. I-IV.
Bendel, Die Stadt Mülheim/Rhein.
Bender-Bützler, Illustrierte Geschichte der Stadt Köln.



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