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Köln Geschichtliches

Köln, Mülheim, Köln-Mülheim

Köln, Mülheim, Köln-Mülheim

Eine Stadt mit eigener Karnevals-Geschichte wird zum „Veedel von Kölle“


In der Reihe „Wissenswertes über die Große Mülheimer Karnevals-Gesellschaft und den Kölner Stadtteil Mülheim“ hat die GMKG interessante Berichte aus den Liederheften der 1960er-Jahre ausgegraben:


Gründe, Entwicklung und Ende der Rivalität zwischen Köln und Mülheim


Die benachbarte Lage Kölns und Mülheim an verschiedenen Ufern des Rheins und ihre günstige Hafenlage bedeuten für beide Gemeinwesen geographischer Faktoren von geopolitischer Bedeutung. Das sich zwischen den durch die Lage gleicherweise bedeutenden Orten eine Rivalität ergab, ist bei ihrer geringen Entfernung voneinander kaum verwunderlich.

Dieser Konkurrenzkampf begann im 13. Jahrhundert als politische Auseinandersetzung und zog sich über Jahrhunderte hin.
Tapfer wehrte sich die Freiheit Mülheim gegen den großen linksrheinischen Rivalen. Viermal wurde Mülheim in dieser Zeit befestigt, viermal wurden feine Mauern geschleift, und die letzte Zerstörung, vom Kaiser angeordnet, wurde freiwillig von der Stadt Köln und auf ihre Kosten durchgeführt. Sie beschränkte sich nicht auf den politischen Willensausdruck der Zerstörung der Mauern, sondern traf auch die Siedlung Mülheim, deren Ende damit gekommen schien.

Immer aber setzten sich Mülheimer Bürgerwillen und zäher Heimatsinn durch, und auch nach der Zerstörung der Mauern am 1.4.1615 blühte das Mülheimer Gemeinwesen wieder auf.

Die Mülheimer Verkehrslage war für den Konkurrenzkampf von besonderer Bedeutung. Der alte Heerweg aus dem Bergischen nach Köln führte über Mülheim. Viele Landstraßen aus verschiedensten Richtungen endeten in Mülheim. Die vom rechtsrheinischen Süden nach Köln führende Straße bot in einer Abzweigung bei Eil nach Mülheim die Möglichkeit, den Kölner Stapelzwang zu umgehen. Damit war wirtschaftspolitisch ein Monopol angegriffen, das Köln eifersüchtig machte.

Jeder Kaufmann, der Köln berührte, war nach dem Stapelrecht gezwungen, feine Ware dort drei Tage lang zum Verkauf aufzustapeln. Köln dehnte diesen Stapelzwang auf Schiffe aus, die innerhalb einer bestimmten Bannmeile um Köln Waren löschen wollten. Die Hansestadt Köln verlangte, dass Waren, die aus Köln kamen, auch für Mülheim bestimmt waren, in Köln ausgeladen und dann nach Stapelung auf Kölner Schiffen nach Mülheim geführt würden. An diese Kölner Forderung störten sich weder Mülheimer noch Holländer Kaufherren, und die Regierung nannte eine entsprechende Kölner Beschwerde „Unfug und Blödsinnigkeit des Kölner Hirngedichts, welches keine weiteren Beantwortungen mehr verdient.“ Nicht nur aus dem Kölner Stapelzwang kam es zu wirtschaftlichen Auseinandersetzungen. Köln versuchte auch den Mülheimer Handel auf andere Art zu schädigen, und umgekehrt gab sich Mülheim Mühe, der großen Rivalin wirtschaftliche Schwierigkeiten zu bieten. So musste z.B. alles Vieh, das über Mülheim zum Kölner Markt ging, in Mülheim zuerst feilgeboten werden. Mülheim öffnete seinen Ochsenmarkt den Juden, die in Köln vom Markt ausgeschlossen wurden. Köln klagte im Jahre 1763 erfolglos gegen den Mülheimer Ochsenmarkt.

Wie beim Ochsenmarkt, so ging es ähnlich beim Wein-, Tabak-, Kohlenhandel und auf fast allen Gebieten des Handels. In der Reformationszeit brachte eine Zuwanderung vertriebener Kölner Gewerbetreibender, der religiös duldsamen Freiheit einen wirtschaftlichen Auftrieb. Köln wandte sich nun unter Vorgabe religiöser Belange an den Papst, konnte aber die neu angesiedelten Mülheimer Gewerbetreibenden nicht an der Ausübung ihrer Geschäfte hindern. Trotz einzelner Teilerfolge blieb aber der Wirtschaftskampf für die Freiheit Mülheim sehr schwer. Das schnelllebige Zeitalter der Technik brachte im 19. Jahrhundert eine große Blüte für Köln, der Mülheim nur langsam und seiner Kapazität entsprechend folgen konnte. Es folgte in Mülheim ein relativer, wenn auch nicht tatsächlicher Wirtschaftsrückgang. Bürgermeister Bau erwähnte in der Stadtverordnetenversammlung vom 21.10.1845 Zuschriften Mülheimer Bürger, die besagten „wie die Stadt durch allerlei Verhältnisse von ihrem früheren Wohlstand herabgekommen sei.“ Das war proportional zur früheren Zeit dagegen nicht absolut zu verstehen. Die Stadt erlebte nämlich in den Gründungsjahren und schon vorher einen industriellen Aufstieg.

Im Zuge der Industrialisierung wurde das Gelände zwischen Mülheim und Köln ausgebaut. Große industrielle Unternehmungen lagen mit ihren Anlagen teils auf Kölner, teils auf Mülheimer Gebiet.

Beide Gemeinden wuchsen ineinander, was zur Einigung drängte. Ausschlaggebend für die Einigung aber war wohl die finanzpolitische Entwicklung der Stadt Mülheim. Die Einkünfte der mittelalterlichen Freiheit aus dem Holzerlös des Gemeindewaldes, aus Stadtmühle und Stadtschenke, aus den Wein-, Brot- und Fleischsteuern sowie aus dem Erlös für Bürgerrecht und gerichtliche Geldbußen genügten kaum zum Erhalt des Gemeinwesens. Diese Sachlage erzwang im Jahre 1750 an die Erhebung regelmäßiger Gemeindesteuern, wodurch aber auch die Finanznot nicht behoben wurde. Im Jahre 1820 hatte Mülheim 19.190 Taler, 16 Silbergroschen und 9 Pfennig Schulden. Dieser Schuldenlast standen an Jahreseinnahmen 4.067 Taler gegenüber. Die Jahreseinnahme betrug also rund 21 Prozent der Schulden. Allein der Zinsendienst für die Schulden beanspruchte mit 892 Talern fast 22 Prozent der Einnahmen. Die Stadt half sich durch Erhöhung der Steuern aus dieser Finanznot, und um 1900 war die Besteuerung in Mülheim weit höher als in Köln.

So drängte auch von diesem Gesichtspunkt aus die Vernunft zur Eingemeindung nach Köln. Ein Punkt der dazu trieb, war die siedlungsmäßig nur auf Merheimer Gebiet mögliche, aber notwendige räumliche Ausdehnung Mülheims. Köln führte aber schon Eingemeindungsverhandlungen mit Merheim. Wollte Mülheim selbstständig bleiben, so musste es versuchen, in Rivalität gegenüber Köln und in fast aussichtsloser Lage die Eingemeindung Merheims nach Mülheim zu erzwingen.

Zwischen 1908 und 1909 diskutieren die Mülheimer Presse und Bürgerschaft und die Kölner Presse immer dringlicher die Frage der Eingemeindung Mülheims. Eine Kommission Mülheimer Stadtverordneter verhandelte ab Februar 1908 18 Monate mit der Stadt Köln bezüglich der Eingemeindung. Die Verhandlungen scheiterten, weil Köln bezüglich der Eingemeindung die hohen Ausgaben für Mülheimer Lokalprojekte nicht in dem Maße übernehmen wollte, die den Mülheimer Interessen entsprach. In dieser Lage blieb der Stadt Mülheim nur die Wahl, ihre Wirtschaft zu entsprechender Prosperität zu führen, um alle Projekte aus eigener Kraft zu lösen.
In dem inzwischen gewählten Bürgermeister Klostermann hatte Mülheim einen Mann an die Spitze der Verwaltung gestellt, der in kürzester Zeit den Stadthaushalt so günstig gestaltete, dass die Eingemeindung nun für Köln besonders erstrebenswert schien, weil Mülheim ein bedeutendes Vermögen in diese Fusion mitbrachte.

Die wirtschaftliche Leitung Mülheims in dieser Zeit erscheint umso größer, weil eine Reihe Firmen nach dem Scheitern der ersten Eingemeindungsverhandlungen von Mülheim nach Deutz abgewandert waren, um nicht mehr die hohen Mülheimer Steuersätze zu zahlen. Von 1909–1913 entwickelte sich Mülheims Wirtschaft immer günstiger. Die Werftbahn, bisher ein Zuschussbetrieb, warf jetzt Gewinne ab. Klostermann brachte es fertig, der Stadt das große Dorfgelände mit Anlagen, Denkmälern und Zierbrunnen unter geringstem Kostenaufwand zu beschaffen, weil er das Gelände in zähen Verhandlungen vom Eisenbahnfiskus „fast unentgeltlich“ bekam, wie der Kölner Lokalanzeiger am 27. März 1913 berichtete, der den wirklichen Wert mit 5 Millionen Mark feststellte.

Das Reinvermögen Mülheims nach Abzug aller Schulden stieg von 1909–1912 von 2.963.000 Mark auf 5.332.000 Mark. Köln, das diese ständige Aufwärtsentwicklung beobachtete, wandte sich nunmehr an Mülheim bezüglich neuer Eingemeindungsverhandlungen, die vom 29. Oktober 1910 bis 15. Januar 1911 stattfanden, aber wieder scheiterten. Köln unterschätze Mülheims Wert, und die Verhandlung, die es der Eingemeindungsfrage bot, verletzte die Würde der mit Recht vom Wert ihres Gemeinwesens überzeugten Mülheimer Stadtväter. Man brachte doch mit Aufgabe der Mülheimer Selbstständigkeit und mit dem Mülheimer Vermögen der großen Nachbarstadt einen ganz beträchtlichen Gewinn, und Köln wollte noch feilschen. Der Kölner Stadt-Anzeiger vom 14. März 1912 erwies sich in dieser Frage als wohlwollender Vertreter Mülheimer Belange. Er nennt die Haltung der Kölner Beauftragten ein „Ausfluß von Kleinischem Krämergeist.“

Köln verhandelte inzwischen mit Merheim über die Eingemeindung, und dieser Vertrag wurde geschlossen, hatte aber seitens der kommunalen Aufsichtsbehörde nur Aussicht auf Bestätigung, wenn auch Mülheim nach Köln eingemeindet wurde. So war die Stadt Köln gezwungen, Verhandlungen mit Mülheim zu erreichen. Diese Verhandlungen führten dann zu dem Eingemeindungsvertrag vom 27. März 1913, der am 1. April 1914 in Kraft trat. Der Vertrag hat sechs Paragraphen. Im §1 Z 1=9 behandelt er Bedingungen der Vereinigung. Nach Ziffer 1 werden alle Kölner Ortsstatuten, Steuerordnungen, Polizeiverordnungen usw. mit Vertragsbeginn in Mülheim geltend. Bei Ziffer 2=9 ist vor allem der Bau einer Rheinbrücke nördlich der Hohenzollernbrücke auf Mülheimer Gebiet zu erwähnen. Dieser Bau war von Köln durchzuführen. Unter den Verkehrsabmachungen ist zu erwähnen, dass Köln sich verpflichtete, eine Straßenbahn zwischen Mülheim und Bergisch Gladbach sowie eine Kleinbahnlinie von Mülheim nach Kalk über den Bergischen Ring zu führen. Eine Reihe örtlicher Verwaltungsstellen wurden Mülheim zugesichert. In den Kölner Stadtrat traten sechs Mülheimer Stadtverordnete ein, und bis zum Jahre 1940 konnte Mülheim regelmäßig sechs Stadtverordnete wählen, von deren Zustimmung jede Änderung oder Beseitigung der Vertragsverbindungen abhängig blieb. Der §1, II enthält nur 4 Ziffern. Wichtig ist auch die Allgemeinbestimmung nach §, II, 1 wonach die Stadt Köln verpflichtet ist, Straßen-, Garten-, Schmuck- und Brunnenanlagen Mülheims im guten Zustand zu erhalten. Und für die Weiterentwicklung der Anlagen und des gesamten Ausbaus der Stadt nach Kräften zu sorgen. Darunter fällt auch die Pflicht der Stadt Köln zum Wiederaufbau der Stadthalle in der Gegenwart.

Die restlichen Paragraphen befassen sich mit Voraussetzungen der Eingemeindung wirtschaftlicher Sonderbestimmungen und der Verpflichtung Mülheims, sich vor Inkrafttreten des Vertrags aller Maßnahmen zu enthalten, die der Einigung widerstreben. Der Vertrag ist nun 47 Jahre wirksam. Kritisch wachen die Bürger Mülheims darüber, dass die besonderen Interessen Mülheims auch im großen Gemeinwesen Kölns entsprechend berücksichtigt werden. Mahnend fragen wir heute die Kölner Stadtvertretung und Stadtverwaltung, ob das wohl in der Gegenwart immer zur Zufriedenheit Mülheimer Bürger erfolgt ist.

Martin Friederichs,
Chronist im GMKG-Vorstand.
Getextet für das Liederbuch 1961.


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