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Willi Ostermann – Ein Mülheimer erobert den Kölner Karneval


In der Reihe „Wissenswertes über die Große Mülheimer Karnevals-Gesellschaft und den Kölner Stadtteil Mülheim“ hat die GMKG interessante Berichte aus den Liederheften der 1960er-Jahre ausgegraben:


In memoriam Willi Ostermann

Willi Ostermann ist als Mundartdichter in der Kölner Milieuschilderung bis heute unerreicht. Er ist eigentlich kein rechter Dichter, aber mehr als nur Karnevalist, wie es einmal nach seinem Tode treffend von ihm hieß. Er sah seinen Kölner Mitbürgern „auf’s Maul“, schaute in ihre täglichen Lebensgewohnheiten, ja, bis in ihren Kochtopf hinein. Das inspirierte ihn zu seinen mundartlichen Liedern.
Willi Ostermann wurde am 1. Oktober 1876 in Mülheim geboren. Das ist aus einer in diesem Heft veröffentlichten Ablichtung der Geburtsurkunde ersichtlich. Sein Vater war der Bahnarbeiter Peter Ostermann, seine Mutter dessen Ehefrau Gertrud, geborene Paas. Wie aus der Urkunde hervorgeht, wohnte das Ehepaar Picolonischer Weg 1 in Mülheim. Die Nachforschungen in alten Mülheimer Stadtplänen, im historischen Archiv und auch im Katasteramt der Stadt Köln jedoch ergaben, dass in Mülheim kein Picolonischer Weg, wohl aber ein Piccolominischer Weg bestand, der auch in einem Stadtplan von 1876 eingezeichnet ist. Die entsprechende Ablichtung ist ebenfalls diesem Heft beigefügt. Der Weg führte, wie heute die Piccoloministraße am alten Fort in Mülheim vorbei. Auf dem Katasteramt war nicht festzustellen, wo Nr. 1, also Ostermanns Geburtshaus lag. Man kann aber aus dem Nichtvorhandensein des Picolonischen Weges schließen, dass es sich in der Urkunde wohl um einen Schreibfehler handelt, und auch aus dem Wegeplan, dass die Tafel, die heute an der Feuerwache zur Bergisch Gladbacher Straße hin auf das dortige Geburtshaus Ostermanns hinweist, wohl falsch hängt. Eine Nachforschung in der heutigen Pfarre Liebfrauen blieb erfolglos, da dort zwar im Register der damaligen Maria-Himmelfahrt-Kirche die Taufe Ostermanns unter dem 15. Oktober 1876 eingetragen ist, wobei aber jeder Hinweis auf die Wohnung fehlt.
Ostermann blieb nur kurze Zeit in Mülheim. Noch in seinem ersten Lebensjahr verzogen die Eltern nach Deutz, wo Ostermann auch seine Schul- und Jugendjahre verlebte. Er selber sagt von sich, dass er die „Proletarieruniversität“ (Volksschule) in Deutz besuchte. Nach dem Volksschulabschluss trat er eine Lehre als Elektriker an, fand aber keinen rechten „Kontakt“ und machte „kurz Schluss“. Später beendete er seine Lehre als Stereotypeur. Da ihm aber der Beruf zu „stereotyp“ war, ging er auf die Bretter, die wohl die Welt bedeuteten. Schon in der Volksschule neigte er zu Persiflagen über zu erlernende Gedichte. Er gab sie in den Pausen den Mitschülern zum Besten. Ostermann unterhielt auch während seiner Schulzeit „auf der Läuv“ ein Puppenspieltheater. Die Puppen kaufte er sich z.T. aus „erpfuschtem Brückengeld“. Sein Lied vom „Düxer Schötzefess“ stammt auch aus der Deutzer Jugendzeit. Seiner Mutter, die auf dem Deutzer Friedhof begraben wurde, ließ er ein schönes Denkmal setzten, und seiner Schwiegermutter setzte er aus Protest gegen die ihm verhassten Schwiegermütterwitze ein Denkmal mit dem Lied „Wenn du eine Schwiegermutter hast“.
Als in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts die Zote mehr und mehr Eingang im Kölner Karneval fand und andere Schlager einfach zotig für den Kölner Karneval umgeschrieben wurden, warnte Peter Prior als Präsident des damaligen Festkomitees vor dieser Entwicklung. Willi Ostermann brach 1907 mit dem Lied „Däm Schmitz sing Frau es durchgebrannt“ in diesen üblen Stand der Dinge ein. Sein Lied zündete – und damit kam auch ein anderer Geist in den Kölner Karneval. Die Zeit der Zote war angebrochen.
Im Jahre 1908 rief der Hofrat Fastenrat zu einem Wettbewerb für das beste Lied in Kölner Mundart auf. Willi Ostermann gewann dabei mit dem Lied „Wer hätt da vun der Tant jedaach?“. Aber zu dieser und zu den folgenden Sessionen entstanden auch Lieder Ostermanns in Mundart. Zu den damaligen Schöpfungen gehören: „O jömmich, wat han se däm Hermann jedonn?“, „Et Stina muß ‚ne Mann han“, „Dä Hals vun dä Frau Schmalz“, „Die Winands han nen Has em Pott“, „Wat litt dann ahn zehntausend Dahler?“, „Kinddauf-Feß unger Krahnebäume“, „Schrumm, ald widder en Fleeg kapott“, „Jetz hät dat Schmitzen Billa“ u.a.
Im Ersten Weltkrieg war wohl keine Zeit für den Kölner Karneval. Willi Ostermann wurde nicht eingezogen, brachte aber in dieser Zeit manches zugkräftige Lied. Zum Nageln des „Kölschen Bauern“ forderte er auf und schrieb „Dä Kölsche Boor en Iser“. Aus späterer Zeit stammt von ihm als Werbung für die damalige Volksspeisung „Marie, Marie, schepp noch jet mie“. Er trug auch oft selber eigene Lieder in Fronttheatern vor.
Nach dem Krieg gab es zunächst keinen Karneval. Hinter verschlossenen Türen fanden aber kölnische Abende statt. In dieser Zeit machte sich auch das Schiebertum breit. Damals entstanden von Willi Ostermann die Lieder „Künnte mer nit e Milliönche han?“ und „Chrestian, du bes ene feine Mann.“ Damit wollte er wohl die Schieber der damaligen Zeit verhöhnen. Auch die Lieder „Durch dä janze Krom maache mer ne Schrom“ und „Dä schöne Fädenand“ entstanden damals. Zum alten Saal- und Straßenkarneval, der 1924 wiederkam, schrieb Ostermann in Mundart „Mama, Mama, unse Heinemann“, „Ich han dich ahm Sonndag mem Hermann jesinn“, „Hä sät un sei sät“, „Wat sumb dat, wat brumb dat“, „Woröm sulle mer ald in der Heija jonn“ u.a. In diese Zeit fallen auch seine ersten hochdeutschen Lieder, vor allem die Rheinlieder. Damit verließ er sein ursprüngliches Kölner Milieu. Dafür gibt es mehrere Gründe.
Es ist klar, dass Ostermann mit seinen Kölner Milieuschilderungen auf Köln und vielleicht noch auf das umliegende Gebiet beschränkt blieb. Nie konnten ihm die Mundartlieder so viel einbringen wie solche in Hochdeutsch. Das ist es, was auch z.B. den Kölner Schauspieler Willy Millowitsch veranlasste, ein sogenanntes „Hochdeutsch mit Knubbele“ zu sprechen. Zu diesen Gründen treten aber auch andere. Es ist nicht zu verkennen, dass sich seit dem Ersten Weltkrieg, vor allem aber danach und erst recht heute, die herkunftsmäßige und soziologische sowie auch biologische Zusammensetzung der Kölner Bevölkerung wesentlich geändert hat. Wenn der frühere OB Burauen sagen musste, dass er jede Sitzung verlasse, auf der noch über Ostflüchtlinge als „Imis“ hergezogen werde, dann sagt das wohl genug über die heutige Situation aus.
Der Schreiber dieser Zeilen weiß auch aus eigener Erfahrung, dass er schon als Lehrer der Kölner Jugend um 1932 in jeder seiner damaligen Klassen höchstens etwa 75 Prozent Schüler fand, die Kölsch sprachen und verstanden. Als der Schreiber im Jahre 1972 den Schuldienst verließ, gab es aber in jeder Klasse höchstens noch 10 bis 15 Prozent Schüler, die Kölsch lesen, schreiben und sprechen konnten. Das ist allerdings nach Einschulungsgebieten und nach Art der Schule verschieden.
Diese Wandlung, mindestens seit dem Ersten Weltkrieg, ging nicht spurlos an Ostermann vorüber. Es ist auch ein Grund dafür, dass er u.a. hochdeutsche Lieder schrieb. Zu seinen hochdeutschen Rhein-, Wein- und Trinkliedern gehören „Es gibt nur einen deutschen Rhein“, „Ich trinke auf dein Wohl, mein Schatz“, „Wenn du wüßtest“, „Einmal am Rhein“, „Da wo die sieben Berge“, „Mädel, Mädel komm zu mir“, „Rheinische Lieder“, „Und sollt ich im Leben“ u.a.
Ostermann wurde nun in der ganzen Welt bekannt. Er vernachlässigte aber trotzdem nicht die mundartlichen Lieder. Davon zeugen „Kölsche Mädcher künne bütze“, „Dä Klein, dä muß ene Nüggel han“, „Nä, ich mag dich nit mie“, „Die Mösch“, „Kutt erop“ u.a. Für eine Revue von Hans Jonen schrieb Ostermann das gemütvolle Lied „Och, wat wor dat fröher schön doch en Cololonia“. Im Jahre 1932 feierte er mit seiner Frau, „Däm Kättche“, die Silberhochzeit. Dazu hatten sich viele Kölner auf dem Neumarkt, wo damals Ostermanns Wohnung lag, versammelt. Im Jahre 1936 brachte er dann zur Session das hochdeutsche Lied „Ja, ja, ich weiß“. Dieses Lied zeigte, dass er nicht mehr der frühere Ostermann war.
Im Juli des gleichen Jahres musste er seine Gastspielreise in Bad Neuenahr abbrechen. Als ein vom Tode gezeichneter Mann kam er in die Kölner Lindenburg, wo er am 6. August 1936 starb. Auf seinem Sterbebett aber schenkte er den Kölnern das gemütvollste seiner Heimatlieder „Heimweh nach Köln“. Wenn es vor allem in den Kriegsjahren von 1939 bis 1945 aus dem Rundfunk erklang, hat es manchen Soldaten und manchen Evakuierten, die aus Köln stammten, in der Fremde zu Tränen gerührt. Am 10. August 1936 wurde Willi Ostermann begraben. Und viele Kölner gaben ihm das Geleit. Aufgebahrt war er im Arbeitszimmer seiner Wohnung am Neumarkt. Die Stadt Köln stellte ihm auf ihrem ältesten Friedhof in Melaten ein Ehrengrab, und an seinem Grab erklang leise das gemütvolle Lied „Och, wat wor dat fröher schön doch in Colonia.“ Mit Willi Ostermanns Tod ist im Kölner Karneval eine Lücke entstanden, die bisher nicht wieder geschlossen wurde.

Unser Gedenken gilt ihm zum 100. Geburtstag 1976.

IN MEMORIAM WILLI OSTERMANN

Martin Friederichs,
Chronist im GMKG Vorstand.
Getextet für die GMKG-Festzeitschrift 1976.
Quellen: Thomas Liessem

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