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Köln Geschichtliches

Köln, Mülheim, Köln-Mülheim

Eine Stadt mit eigener Karnevals-Geschichte wird zum „Veedel von Kölle“


In der Reihe „Wissenswertes über die Große Mülheimer Karnevals-Gesellschaft und den Kölner Stadtteil Mülheim“ hat die GMKG interessante Berichte aus den Liederheften der 1960er-Jahre ausgegraben:

„Geschichtliches aus dem alten Mülheim“!

Einiges über die Mülheimer Straßennamen

Wer die Straßennamen einer Stadt kritisch betrachtet, wird bald zu dem Ergebnis kommen, dass sich hier natürlich gewachsenes Volksgut im bunten Wechsel mit künstlich aufgepfropften Kulturgeist findet.

Nach solchen Gesichtspunkten kann man auch die Straßennamen der Stadt Mülheim einteilen. Als die amtlichen Straßenbezeichnungen im Jahre 1888 entstanden waren schon sehr viele Straßenbezeichnungen aus dem Volk gewachsen. Sie blieben zum Teil erhalten und nahmen damit amtlichen Charakter an, andere dagegen verschwanden und wurden durch willkürliche Bezeichnungen ersetzt, wenn auch nicht zu verkennen ist, dass ebenfalls in diesen willkürlichen Bezeichnungen Beziehungen zwischen der Stadt und dem Namen bildenden Begriff gesucht wurden. Das Mülheimer Bürgertum musste sich aber erst an diese Namen gewöhnen, die nun verwaltungsgemäß festgelegt waren. Der Schreiber der Mülheimer Stadtgeschichte Rektor Bendel beklagt, dass damals viele alte Straßen ihren ehrlichen Namen verloren hätten. Er tröstet damit, dass der alte Name im Volk weiterlebe.

Es ist sicher, dass damals viel altes Volksgut in den Straßenbezeichnungen durch die Verwaltungsmühle vernichtet wurde dem so mundartlich urwüchsig und heimatlich klingenden Möschekämpchesweg die würdevoll klingende Montanusstraße und die bis dahin vom Volk benannte Stinkgasse wurde mit dem Namen Rosengäßchen in ein duftendes Gegenteil verwandelt. Aus dem so gemütlich klingenden Schänzgesweg wurde die fast militärisch klingende Schanzenstraße und aus der Kromm Gaß wurde eine Rheingasse.

Die alten, aus dem Volk entstandenen Bezeichnungen Mülheimer Straßen sind aus mehreren geschichtlichen Quellen zu entnehmen. So geht aus einem Verzeichnis aus dem Jahre 1770 hervor, dass sich die damals vorhandenen 341 Mülheimer Gebäude auf 17 besonders bezeichnete Straßen verteilen. Die Häuser waren damals ohne Rücksicht auf die Straße laufend nummeriert. Es ist aber anzunehmen, dass im Volksmund mehr als 17 Straßenbezeichnungen vorhanden waren; denn aus dem „Abriss von Mülheim nach der erschröcklichen Eißfahrt vom 27. Und 28. Februar 1884“ sind 39 Straßen und Plätze bekannt. Die damalige Hauptstraße ist die heutige Mülheimer Freiheit. Der Wall und die neue Straße werden erwähnt und auch die Straßen auf der Bach, unsere heutige Bachstraße.

Um 1784 gibt es eine Reihe Straßenbezeichnungen nach geographischen Gesichtspunkten, z.B. die Stronder Bach, die Brüggengaß, Herlerweg, die Bocheimer Gaß, Wermelskircher Chaussée, heute die Berliner Straße, die Frankfurter Chaussée, womit auch der Teil der Fernverkehrsstraße bezeichnet wurde, die nördlich Mülheims nach Düsseldorf führte, also die heutige Düsseldorfer Straße.
Andere Straßen sind in dieser Zeit nach Gebäuden oder alten Hausbezeichnungen benannt. Die Kranenstraße hieß damals der Krahn nach dem dort stehenden Hebekran. Die Bezeichnung Schwarze Thürgaß entstammt sicher einer Hausbenennung. Im Jahre 1888 wurde sie amtlich in Münzstraße umbenannt. Ähnlich verfuhr man mit der Straß am Apfel, die man zur Brandtstraße machte. Aus dem um 1784 im Volksmund bekannten Straß am Bäumche wurde eine amtliche Uferstraße. Der Name Am Pulverthurm wird auch bereits 1784 erwähnt. Er hat seine Berechtigung auch amtlich bis heute behauptet.
Schon im Jahre 1784 tauchen aber auch Straßenbezeichnungen nach Familienennamen aus, z.B. das Tilmannsgäßchen oder die Gaß am Bertolischen Bärenhof, heute Buchheimer Straße.
In einem Plan von Mülheim aus dem Jahre 1800 sind noch weitere Straßenbezeichnungen erwähnt, die aus dem Volk entstanden waren. Das sind die Langgaß, heute als Regentenstraße bekannt, die Taubengasse, die jetzt nach der Mülheimer Sängerfamilie Formesstraße heißt. Sie wird aber von alten Mülheimern heute noch dauv Gaß genannt.

Viele der uns geläufigen Straßennamen erinnern an verdiente Mülheimer Bürger. Diese Benennungen sind fast alle nach 1888 entstanden, und der Zwang zur Straßenbenennung wurde hier mit einer Ehrung einzelner Persönlichkeiten verbunden. Die Keupstraße erinnert an den Stifter des Dreikönigshospitals, die Adamstraße an den aus Mülheim stammenden Gelehrten Adamus Adami, der seine theologische Laufbahn als Benediktiner im Kloster Brauweiler begann und als Bischof von Hildesheim im Jahre 1663 mit dem Tode beendete. Die Steinkopfstraße, Elisabeth-Breuer-Straße, die Danzierstraße und noch viele andere Straßennamen wollen das Andenken an würdige Mülheimer Bürger wach halten.
Es würde im Rahmen dieser Ausführungen zu weit gehen, wenn man alle heute bekannten Mülheimer Straßennamen deuten oder auch nur erwähnen wollte.
Sinn dieser Zeilen aber mag es sein, einiges, das aus der Vergangenheit in unseren Straßenbezeichnungen zu uns klingt, auch unserer Generation lebendig zu gestalten. Wir reichen dieses Volksgut damit auch weiter an die Jugend und hoffen, dass sie genau so wie wir dieses Urvätergut würdige, achte und ehre.

Martin Friedrich,
Schatzmeister im Vorstand der GMKG.
Getextet für das GMKG-Liederbuch 1958.


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