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Köln, Mülheim, Köln-Mülheim

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Am Rhein gelegen, vis-à-vis von Köln gab es mal eine sagenumwobene Stadt – Mülheim


In der Reihe „Wissenswertes über die Große Mülheimer Karnevals-Gesellschaft und den Kölner Stadtteil Mülheim“ hat die GMKG interessante Berichte aus den Liederheften der 1960er-Jahre ausgegraben:


Bekannte Mülheimer Familien um das Jahr 1800

Um 1800 hatte Mülheim etwa 2.400 Einwohner. Es lag in einem Viereck, das begrenzt wurde von der Dünnwalder Straße, dem Clevischen Ring, der Dammstraße und ihrer Fortsetzung bis zum Rhein.
In einem Bericht aus der damaligen Zeit heißt es: „Mülheim ist eine nicht weit von Köln sehr angenehm gelegene offene Stadt und wird mit ihrem kleinen Gebiete die Freiheit Mülheim genannt. Hier gibt es allerlei Gewerbe und Handlungen. Das vorzüglichste ist die Seiden- und Samtweberei des Kommerzienrats Andreae, einer der größten in Berg. Ansehnliche Gerbereien, eine Seifensiederei, Tabakfabriken, Spezereihandlungen, Wein-, Holz-, Früchte- und Eisenhandel beleben diese Stadt. Auch ist sie für Versandgeschäfte auf dem Rhein vortrefflich gelegen, konnte aber wegen der bisherigen Gewalttätigkeiten Kölns dasjenige nicht erreichen, wozu ihre natürliche Lage sie berechtigt.“
Als Gewerbetreibende waren damals u.a. tätig: Christoph Anreae, Samt- und Seidenfabrik und Weinhandel – Bertoldi, Weinhandel und Seidenfabrik unter der Firma Dohmen u. Komp. – Karl Theod. Clarenbach, Weinhandel – Joh. Herm. Eulenberg, Eisenhandel – Josias Eulenberg, Eisenwaren – Wilh. Eulenberg, Fruchthandel – Wilh. Keup, Rotgerberei – Heinr. Lülsdorf, Fruchthandel – C.F. Martins, Farb- und Materialwaren – Isaak Mendel, Ellenwaren – Andreas Moll, Ellenwaren – Heinr. Moll, Fruchthandel – Gebr. Rhodius u. Komp., Weinhandel.
Die Firma Andreae wurde im Jahre 1714 gegründet. Der Gründer war Christoph Andreae, der in Köln ein kleines Geschäft betrieb. Er musste mit acht anderen wegen Glaubensstreitigkeiten die Stadt Köln verlassen und zog im Jahre 1714 nach Mülheim, wo der Fürst von Berg, Johann Wilhelm II. (Jan Wellem), ihm und den anderen Aufnahme gewährte. Er kaufte das alte Wirtshaus „Zum güldenen Berg“, worin er wohnte. In diesem Hause stieg im Jahre 1811 Napoleon ab. Andreae erbaute eine Färberei und vier Leinenhäuser. Nach zweihundertjährigem Bestehen setzte die Firma Andreae im Jahre 1914 ihrem ersten Gönner, Jan Wellem, in Mülheim ein Denkmal. Um 1800 stand an der Spitze der Weberei Kommerzienrat Christoph Andreae, der im Jahre 1804 verstarb. Bertoldi schrieb in seinem Tagebuch über ihn: „Der Entschlafene war einer der arbeitsamsten Menschen, und sein Fleiß verdiente das Glück, daß er in der Welt zusammengebracht hat. Meistens, ja fast alle Zeit war er der erste und der letzte auf dem Komptoir, und außer seinen Leidenschaften von etwas Stolz und Großtun, die aber nur von Umständen und durch andere rege gemacht wurden, besaß er das beste und wohltätigste Herz …“
Bürgermeister der Stadt Mülheim war in dieser Zeit Bertoldi, der durch seine Tagebuchaufzeichnungen, die eine genaue Kenntnis der Mülheimer Verhältnisse vermitteln, bekannt geworden ist.
Bertoldi kam in seinen Jugendjahren nach Mülheim, wo sein Großvater als hoher bergischer Beamter tätig war. Bertoldi, der Eigentümer der Mülheimer Brücke war, war ein sehr vermögender Mann. Sein Einkommen bezog er zunächst aus seiner Tätigkeit als Bürgermeister, Brückenpächter, Zollpächter und als Pächter sämtlicher Mülheimer Mühlen. Darüber hinaus betrieb er einen Weinhandel und hatte in Deutz eine Seidenfabrik unter dem Namen: Dohmen und Komp. Als Mülheim preußisch wurde, wurde er als Bürgermeister am 29. April 1815 seines Amtes enthoben. Das Auftreten und die Lebensweise Bertoldis war auch für seine Verhältnisse zu groß. Seine Güte und seine Menschenfreundlichkeit wurden besonders in Geldsachen oft missbraucht, sodass er später in Geldschwierigkeiten geriet. Er starb im Jahre 1827. Seine Familie hat späterhin im Mülheimer Leben keine besondere Rolle mehr gespielt. Bertoldi hat in seinem Tagebuch sämtliche Ereignisse gewissenhaft aufgezeichnet. Als seine Köchin verstarb, schrieb er unter dem 20.11.1822 Folgendes: „Vorgestern starb meine ehemalige brave Köchin, Ehefrau Penningsfeld, an einem Stickfluß. Sie war so dick, daß man die Treppenlehne hat abbrechen und die Haustür hat weiter machen müssen, um die Leiche fortzubringen. Gott sey es ihr gnädig.“
Wie aus den Berichten Bertoldis ersichtlich ist, spielte in der damaligen Zeit die Familie Rhodius in Mülheim eine große Rolle. Die Familie Rhodius bewohnte das Haus Wallstraße Nr.100, das aus dem Jahre 1770 stammte. Karl Rhodius vertrat bei den verschiedenen Empfängen als Abgesandter die Kaufmannschaft Mülheims.
Der Name Keup wird auch bereits wiederholt in dem Tagebuch genannt. Sie wohnte in der jetzigen Keupstraße. Die Straße trägt jedoch nicht ihr zur Ehren den Namen. Die Straße ist nach einem Nachkommen, Kaspar Keup, benannt, der im Jahre 1868 der Stadt das an der Straße gelegene Dreikönigenhospital schenkte. Eine volkstümliche Person war der Gastwirt Theodor Lülsdorf, der die „Schwarze Tür“ an der Ecke Münzstraße und Mülheimer Freiheit hatte. Er war Kommandant der St. Sebastianus Schützenbruderschaft.
Nachkomme der im Tagebuch genannten Familie Eulenberg ist der bekannte Schriftsteller Herbert Eulenberg, der im Jahre 1876 in Mülheim geboren wurde. Er schrieb Dramen, Romane und Gedichte. Seine bekanntesten Dramen sind „Belinde“ und „Alles um Liebe“. Von seinen Romanen seien erwähnt „Katinka, die Fliege“ und „Wir Zugvögel“.
Als Kommandant von Mülheim wird der Major Zuccalmaglio erwähnt. Major Johann Heinrich von Zuccalmaglio entstammte einer alten italienischen Familie. Er wurde 1742 geboren und starb 1829. Sein ältester Sohn Johann Salentin von Zuccalmaglio war als Rechtsanwalt und Bürgermeister in Schlebusch tätig. Er war der Vater des bekannten „Montanus“, des bergischen Geschichtsschreibers Vinzenz von Zuccalmaglio, der von 1806–1876 lebte.
Als Küster an der Klemenskirche wurde am 21. Januar 1818 Formes eingeführt. Bertoldi berichtet: „Es wurde hier ein neuer Offermann gemacht, und der Breuer aus der Bierkirche hatte auch Lust dazu. Weil seine Familie dem Pastor manchen Gefallen getan, so glaubte er, dass es ihm nicht fehlen würde. Da er aber an dem auf den 13. ausgeschriebenen Concours nicht mitgesungen und der Prüfung unterworfen, konnte er keinen Anspruch auf Anstellung machen. Der Pastor gab seine Stimme dem Formes, der als Einheimischer zum Besten im Concours bestanden. Diesem stimmten auch die am 19. zur Wahl berufenen Gemeindemitglieder bei, und Breuer ging leer aus.“
Der Küster Formes hatte vier Söhne: Karl, Theodor, Joseph Hubert, Wilhelm. Sie alle wurden später bekannte Sänger, die auf den Flügeln des Gesanges den Namen ihrer Vaterstadt durch alle Welt getragen haben. Der berühmteste von ihnen war der Bassist Karl Formes.
Die vorstehenden Auszüge aus dem Tagebuch Bertoldis, die nicht vollständig sein können, mögen zeigen, dass um 1800 das geschäftliche und geistige Leben in Mülheim in hoher Blüte standen und das Gesicht der Stadt von heute nach bekannten Namen geprägt wurde.

Martin Friederichs,
Chronist im GMKG-Vorstand.
Getextet für die GMKG-Festzeitschrift 1962.
 


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